Watchdog

WATCHDOG
Hörspiel über Cybermobbing

Um dem Anführer der Klassengang zu imponieren, fängt ein Schüler an, einen Lehrer zu mobben, indem er chaotische Unterrichts-Szenen heimlich ins Internet stellt.

Für den Lehrer beginnt eine öffentliche Hetzjagd; als er sich zu wehren versucht, trifft es den Falschen.

Regie:
Judith Lorentz
NDR 2011

Mitwirkende:
Edgar Schacht  -    Matthias Brandt
Nils Bosch  -    Janucz Kocaj
Murat Alkan  -    Hüseyin Ekici
Gopi  -    Mira Partecke
Ilja  -    Jan Breustedt
Teiko Kimori  -    Deborah Kaufmann
Pietschmann  -    Leonard Lansink
Dr. Engelhardt  -    Uli Plessmann

Das Manuskript liegt als Theatertext für Jugendtheater beim Verlag henschel Schauspiel vor.

Inhalt:
Dem Physiklehrer Edgar Schacht läuft gelegentlich der Unterricht aus dem Ruder. Sein mangelndes pädagogisches Charisma versucht er durch heiligen Ernst wettzumachen, und so wuchern seine vierfarbigen Tafelbilder ins Endlose, während hinter seinem Rücken die Klasse über Tisch und Bänke geht. Einer wie Edgar ist für Schüler leichte Beute. Besonders gegen den renitenten Murat und seine Clique in der 9a kann sich der Lehrer nicht behaupten. Von einer besonders chaotischen Stunde taucht auf einmal unter dem Absender „watchdog“ ein Film im Internet auf. Kurz darauf spricht die ganze Schule davon. Die Schüler feixen, die Eltern sind irritiert. Edgar wird zum Schulleiter zitiert.

Immer neue Bilder werden ins Netz gestellt, demütigende Bilder - Edgar mit hochrotem Kopf und sich überschlagender Stimme, wie er versucht, dem Tumult einer entfesselt tobenden Klasse beizukommen. Der „watchdog“ wird zu einem ernsthaften Problem, das den sanften Sonderling allmählich in eine quälende Paranoia treibt. Die Wände haben Augen und Ohren. Und Hände: ausgestreckte Finger, die alle auf Edgar Schacht zeigen.

Währenddessen fahndet man in der Schule nach dem digitalen Bösewicht mit einem schematischem Steckbrief (computersüchtig, aggressiv etc.), bei dem allen, auch Edgar, nur einer einfällt: Murat. Obwohl dieser vehement seine Unschuld beteuert, gerät der türkischstämmige Junge in das Räderwerk einer gut geölten sozialpsychologischen Beratungsmaschinerie: Tests, Konflikttraining, Elterngespräche. Es droht der Schulverweis.

Was niemand ahnt: nicht der großmäulige Murat ist „Watchdog“, sondern der blasse Nils. Ein unauffälliger Schüler, unsportlich, leidlich klug, mit leidlich guten Noten, der darunter leidet, dass ihn alle übersehen. Eher zufällig hat er mit seiner Handykamera eine Physikstunde gefilmt; eigentlich war es Murat, den er aufnehmen wollte, der witzige, dreiste, coole Murat.

Als Nils vor den anderen mit seiner Tat prahlt, lachen die ihn bloß aus.
„Was, wenn ich euch sage, dass ich „Watchdog“ bin?“
„Dazu braucht man richtige Eier, Dicker. Rasierst du dich überhaupt schon?“
Also schweigt er. Und filmt weiter.

Während Murat mit wachsender Wut darauf reagiert, dass offenbar niemand seine Unschuld in Betracht zieht, schaut Edgar paralysiert zu, wie seine Welt in Stücke geht.


Gefördert von der Hörspielförderung der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen.